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Alte Säcke


  · diese CD
Die erste LP von R.E.M. datiert von 1983 ("Murmur", die EP "Chronic Town" nicht mitgerechnet), das erste Echo & The Bunnymen-Album ("Crocodiles") erschien 1980 und "The Restless Stranger" von American Music Club im Jahre 1985.

Fast forward to 2001: Im Mai dieses Jahres beglücken uns R.E.M. mit ihrem 11(?)-ten regulären Album, Mark Eitzel (ehemals Sänger von American Music Club) veröffentlicht seine 4te (reguläre) Solo-LP und Echo & The Bunnymen präsentieren ihr 9tes Werk. Ist das alles nötig, nimmt das nicht beinahe Dinosaurier ähnliche Ausmaße an ? Dürfen diese alten Säcke das ? Und dürfen es auch alle, die es tun ?

Nimmt man die Verkaufszahlen als Maßstab, so steht fest: R.E.M. dürfen. Sind zwar inzwischen wirklich die Dinosaurier des College-Gitarren-Pops, verkaufen sich aber seit "Losing My Religion" bekanntlich wie geschnitten Brot. Was nicht immer falsch sein muß, manchmal ja auch die richtigen trifft. Ob sie nun die richtigen sind, oder nicht - das sei mal nicht beurteilt. Entscheidend ist, daß "Reveal" nichts Neues enthüllt, keine Überraschungen bringt und doch eine schöne, ausgeruhte Sommerplatte ist, mit feinen Melodien und einem behutsam modernisierten Sound. Nicht so planlos wie "Up", nicht so neu wie, äh, wirklich "neues" gab’s bei R.E.M. ja eh nie. Aber eben geschmackvoll schön und zum Mitsummen frisch. Eher zeitlos, denn retro.

Echo & The Bunnymen bekommen die Erlaubnis schon etwas weniger selbstverständlich erteilt. Der Name hält ja im Grunde nur noch bedingt, was er verspricht - Ian McCulloch und Will Sargeant sind noch übriggeblieben, Pete deFreitas ist lange tot, Les Pattinson hatte wohl irgendwann keine Lust mehr. Was man ihm auch nicht wirklich übel nehmen kann: "Flowers" ist außer solide nicht viel. Wie es diese Platte auf große Vorschußlorbeeren gebracht haben mag, will sich nicht erschließen - denn auch wenn das Fazit in Bezug auf "Reveal" ähnlich klingen mag (nichts neues, keine Überraschungen, never change a winning team, man ist ja schon lange dabei und weiß, was man tut), so fehlt es "Flowers" doch wenigstens an den "sonnendurchfluteten" Momenten, die "Reveal" frisch klingen lassen. "Flowers" klingt nur "wie gewohnt". Das ist dank der Sangeskünste des Herrn McCulloch nicht mal wenig, aber hier werden noch mehr Klischees aneinander gereiht, als daß R.E.M. schon mit Begeisterung tun.

Vor allem textlich haben sich weder Michael Stipe noch Ian McCulloch besonders weit aus dem Fenster gelehnt - dementsprechend wenig inspiriert/inspirierend sind denn auch die Texte. Ganz anders bei Mark Eitzel, der auch musikalisch als einziger Neuland betritt - jedenfalls für ihn. Aber auch ansonsten gibt es noch nicht wirklich viel gute Musik in diesem Stil: Vielleicht eine Schublade namens Electronica-Folk ? Oder anders: Wenn dem Singer/Songwriter die Band zu teuer ist, die spartanische Akkustik-Platte zum Halse raushängt und er mal gerade zwei Jahre Zeit hat, sich der neuen Technologie zu nähern, dann kauft er sich eben ein Mac, lernt ProTools und macht dann eine verdammt inspirierende/inspirierte Platte, bei der Altes rüber gerettet wird in die "Moderne", bei der ungewohntere Wege gefunden werden, eine Stimmung zu transportieren, die ansonsten eben nur auf "klassischen" Singer/Songwriter- bzw. Gitarren-Platten zu finden ist. "The Invisible Man" ist ohne Zweifel Mark Eitzels beste Solo-Platte, beinahe so intensiv wie "Songs Of Love - Live" (was keine wirkliche Solo-Platte war, sondern ein Mitschnitt eines Solo-Live-Auftritts), nur daß diesmal die Intensität nicht so sehr in der Stille zwischen den Tönen liegt, sondern im ganzen Klangspektrum. Bestimmt ist dieses Rezept hier sowohl im Songwriting als auch im Arrangement noch weit von der Perfektion entfernt, die American Music Club in den besten Momenten erreichten ("Johnny Mathis‘ Feet", "Blue & Grey Shirt" etwa), doch schmälert das die Größe dieser Platte nicht. Sie versucht nicht nur "mehr" als "Reveal" und "Flowers" (zusammen), sondern erreicht das auch.

(ms)





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