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Pop Literatur ist... nichts


Die besten Beispiele liefert das Leben - nach dieser Maxime funktioniert das, was heute gerne unter der Schubladenbezeichnung Pop-Literatur" firmiert: Erzähle das, womit Dein Publikum sich identifiziert, und der Erfolg wird Dein sein. Und so hat sich inzwischen eine recht breite Nische gebildet, in der jeder, der glaubt, einen lesbaren Satz formulieren zu können, gleich ganze Romane verfaßt.

Dabei sind Bücher, die ausschließlich über die Identifikation des Lesers mit dem Protagonisten funktionieren, weder "Pop" noch "Literatur". Sie sind eher die Bankrotterklärung von Leser und Autor gleichermaßen. Was als beiläufiges Kneipengespräch höchst unterhaltsam ist, behält diese Qualität nicht dadurch, daß es aufgeschrieben und zwischen Buchdeckel gequetscht wird. Was nur über Identifikation funktioniert, funktioniert letztlich gar nicht. Das zeigt sich an dem maßlos überschätzten Stuckrad-Barré, der als ersten Roman das geschrieben hat, was viele erste Romane ausmacht: Eine liebevolle Liebesgeschichte über verlorene (erste/große) Liebe - und damit des Etiketts "Pop-Literatur" genausowenig bedarf wie etwa Ethan Hawke, dessen Erstlingsroman ähnlich einfach, ähnlich schön, ähnlich emotional ist. Doch was seitdem von Stucki, wie man ihn vielleicht nicht überall nennt, erschienen ist, verleitet höchstens zu bitterlichem Weinen. Eine Aneinanderreihung von Anekdoten ergibt keinen Roman, so wie auch nicht jede wahllose Abfolge von Wörtern bereits einen Satz ergibt.

Auch Geschichten haben einen Aufbau, genauso wie Pop-Songs. "Pop-Literatur", die es nötig hat, sich so zu nennen, hat meistens nicht mal das. Und wenn doch, dann erschöpft sich viel zu oft die Qualität in der zur Schau getragenen Verbrüderung des Autors mit den Lesern - wir haben alle das gleiche durchgemacht. Na und ? Der Protagonist von "Liegen lernen" (oder wie das Buch nun heißt) wird nicht dadurch sympathischer/ interessanter/ geistreicher/ unterhaltsamer/ echter, daß er irgendwann wenigstens von Simon & Garfunkel wegkommt, die Geschichte nicht dadurch erzählenswerter, daß in ihr die politisch engagierte Schülersprecherin vorkommt, die es mutmaßlich seit den 80ern jedenfalls so nicht mehr gibt. Wer über das schreibt, was er kennt, ist vielleicht nicht immer weit genug davon entfernt, um zu sehen, daß es nicht dadurch interessant wird oder auch nur bleibt, daß es aufgeschrieben wurde. Geschichten erzählen geht anders. Daß kann am Ende auch Trash (aber wenigstens witzige Trash) sein, wie bei Mike Gayle, der definitiv keine Literatur schreibt, aber poppige (Pop-)Geschichten erzählt. Es kann stilbildend sein, wie bei Nick Hornby (was ja vielleicht auch zu bedauern ist, schaut man sich die Stil- oder Nischenbildung an, die "High Fidelity" folgte). Es kann auch ein Zufallstreffer sein, wie bei Stucki. Oder es können schottische Krimis dabei rauskommen, denen immer auch ein Element der "Pop-Literatur" zur Unterhaltung verhilft, nämlich der "gute Song", wie bei Christopher Brookmyre.

Es ist vielleicht letztlich eine Frage des Anspruchs. Und der sollte sich nicht an Vorsilben oder Hauptwörtern orientieren, sondern an Geschichten, die durch die Komposition von Sätzen entstehen. Was dem entspricht, hat die Bezeichnung "Pop-Literatur" nicht nötig. Was dem nicht entspricht ist, wie Seeßlen in der literaturkonkret bemerkt, eher die Produktion des Autors durch den Text. Insofern wäre die Bezeichnung "Ich-Literatur" vielleicht auch besser. Die Generation Golf, die me me me Generation. I consume therefore I am. (ms)





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