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Die Aeronauten - Bohème pas de problème (RecRec/ EFA)

Ein bißchen mehr Schweiz würde Ihnen gut tun!


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Die Schweiz ist ein Durchreiseland. Von dort gelangt man wahlweise nach Frankreich, Italien, Deutschland, Liechtenstein oder Österreich. Fremde und zum Teil merkwür- dige Eindrücke von vorbeischaukelnden Wohnwagen und deren Inhabern aufzu- schnappen, ist also naheliegenderweise ein landestypischer Nebeneffekt, den diese geographische Lage mit sich bringt.

Die Aeronauten kommen aus dem nördlichen Zipfel der Schweiz, genauer gesagt aus Schaffhausen, und man konnte sich bisher schwerlich vorstellen, daß dort jemals auch nur ein einziger VW-Bulli oder ein Hymermobil mit ausländischem Kennzeichen halt gemacht hat. Lokalkolorit und bodenständiger Hügelzynismus füllen die Texte von Sänger Oliver "Olifr" Maurmann, die Autobahn ist kaum zu hören.

Fälschlicherweise bekamen sie mit einer solch partout unhippen Attitüde des öfteren die Monatskarte der Hamburger Schule angepappt - wo Großstadtjungs offenherzig gegen die Unbarmherzigkeit ihres Milionenmolochs aufbegehren.

Alles Humbug!

Diese Schweizer singen zwar zuckersüßes Hochdeutsch und tragen freche Dinner-Anzüge nebst Tropenhut, kommen aber nun mit einer gediegenen Globetrotterscheibe hinterm Ofen hervor, wie es der in ibizianischer Urlaubsonne brutzelnde deutsche Indiepopper mit Wanderklampfe noch nicht gehört hat.

Während die Hamburger Supergroup "Superpunk" back to the roots gegangen ist, haben die Aeronauten die Schnellstraße aufgesucht, ein paar Burt Bacharach und Bert Kämpfert-Tapes aus den Hippiebullis entwendet und den Bossa-Nova-Knopf an der anachronistischen Rhythmusmaschine gedreht. Der mit fröhlicher Vorahnung auf Bläser und gut reinkommende Gitarren angewählte erste Song "Gutscheine" flunkert einem plötzlich etwas von fanzösischer Chanson und Loungemusik vor. Der schwüle Discosound nebst sparsamen Funk- und Tremologitarren, die extrem dezenten Bläsersätze und der haarsträubend französische Frittengesang von Schlagzeuger und Percussionist Daniel d´Aujourd´hui bei "Patates" entlocken dem schrammelgitarrenverwöhnten Aeronautenfan erstmal eine gewisse Fassungslosigkeit.

Aber nach ein paar Runden versteht man die Platte dann und erinnert sich wieder an das wirklich Wichtige: Es ist nicht die Stilrichtung, sondern die Art der Interpretation, die gute Musik ausmacht, oder um es mit Helmut Kohl zu sagen: "Wichtig ist, was hinten rauskommt." Da ist nämlich nach wie vor Maurmanns Stimme, die zwischen Krächzen und Hauchen um den Ton schlawenzelt. Da sind die vielgerühmten Bläser, die mittlerweile auch ohne Bratgitarren und mit akzentuierter Platzierung sehr toll tröten, und obendrein ein paar alte Bekannte (u.a. Bernadette Hengst von "Die Braut haut ins Auge") aus den Nachbardörfern an der Elbe.

Der Song "Safari" ist wieder ein niedliches Instrumental- stückchen, wie einst schon "Extremadura" (man hat also zumindest schon mal einen Portugalführer in der Hand gehabt). Bei "Klamotten" hat dann doch wieder einer aus Versehen auf den Verzerrer getreten, ebenso wie bei "Paradies" wo Gitarrenzottel Christian Neander (Selig, Kungfu) anscheinend eins seiner patentierten Riffs runternudelt, ohne dafür namentlich erwähnt zu werden. Nun werden ein paar Hörer und altgediente Aeronautenfans dieser Platte abschwören, wie es bei so vielen Bands der Fall ist, die den Mut haben, sich weiter zu entwickeln und alte Etiketten abzuschütteln.

Die Aeronauten sind ja nicht doof, wußten sie doch schon auf "Gegen alles" zu verkünden, daß sie früher besser waren. Hier ist alles einfach schön schrullig, herrlich egal und irgendwie so souverän, wie es kaum eine deutschsprachige Band in der letzten Zeit hingekriegt hat. Da braucht man auch keine Bohemien mehr, denn die würden mit soviel augenzwinkernder Bürgerlichkeit bestimmt ein Problem haben.

Kaufen Sie diese Platte, wenn Sie sich beweisen wollen, daß Sie Ahnung von Musik haben!

(tig)



-> Weitere Informationen unter:
http://www.hugo.ch/groups/aeronauten




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