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London Calling 15./16.3. Paradiso, Amsterdam


Hach ja, das liebe London Calling – seit Jahren das Mekka des Liebhabers des anglophilen Indie-Pops. Wäre wirklich leichter aufzuzählen, wer da eigentlich nicht, so knapp vorm „großen“ Durchbruch, schon gespielt hat. Aber das wäre ebenso müßig, denn die Genre-Relevanz dieser Bands ist schon genau deswegen recht fragwürdig. Nun reif das wunderschöne Amsterdamer Paradiso wieder zu einem zweitägigen Fest in seinen, im wahrsten Sinne des Wortes, heiligen Hallen, und wartete mit einem üppigen, vor Höhepunkten nicht eben armen Lineup auf. Tag eins könnte man mit dem Begriff „Vereinigungen“ überschreiben, auf Tag zwei passt vielleicht am besten „Konsequenz“. Das ganze im Einzelnen: Den Anfang machte am Freitagabend direkt ein Knaller aus Belfast. Desert Hearts heißt das Trio, das mich, jetzt komme ich auf die Vereinigungen, in Puncto Besetzung und ekstatischer Performance an JJ72, ansonsten aber eher an eine Mischung aus Mogwai und Sonic Youth erinnerte. Knackige Noise-Attacken von Gitarre und Bass dominierten über den eher im Hintergrund stehenden Gesang, die Songs gerieten dabei aber schon fast Punk-haft kurz. One to watch! Und dann kams auch schon ganz dicke: British Sea Power waren über den Ärmelkanal gekommen und ließen seinen geballten Wahnsinn auf das unvorbereitete Publikum los. Im Vorfeld wurde schon hier und da Joy Division name-gedropped, was sogar von der BSP-Bandmitgliedern unterschrieben wird, aber ich werfe jetzt mal Strangelove und Talking Heads als Eckpfeiler in die Runde. Ganzheitliche Performance heißt hier die Devise – jede Menge Requisiten, darunter ausgestopfte Vögel, Masken und Buschwerk auf der Bühne und ins Spiel integriert, irrsinnige Blicke, Stunts und bis zur völligen Lächerlichkeit durchgezogene Posen und Hampelmann-Gesten bestimmen das Bild, aber trotzdem hat man das Gefühl das alles sehr ernst gemeint ist und genau so sein muss. Und mitreißende, krachig-poppige und manchmal ausufernde Songs gab es natürlich auch noch. Kann mal jemand bitte meinen Mund wieder zumachen? Die Ami-Combo AM60 sind jetzt genau das Richtige, um wieder auf den Boden zu kommen – HipHop-Beats werden mit Rock-Gitarren und eintönigen Melodien einfach nicht besser, auch wenn da der Fun Loving Criminals-Schlagzeuger hinter den Trommeln sitzt. Für das nächste Hochgefühl sorgten dann aber Simian, die ja wohl kaum weiterer Worte des Lobes bedürfen. Mitreißendes, recht temporeiches Konzert – fast is the new slow?! Als Nächstes war die Norweger-Pulli-Fraktion von St. Thomas dran, die austesteten, wieviel Alkohol sich mit dem Spielen eines Instruments vereinigen lässt. Man bewegte sich wohl im Grenzbereich, konnte aber gewisse Ausrutscher mit einer Menge Charme aufwiegen. Den folgenden dänischen Bon Jovi-Verschnitt mit Meatloaf-Sänger überspringe ich einfach mal – von denen habe ich mir noch nicht einmal den Namen gemerkt. Ich hätte viel lieber The Electric Soft Parade gesehen, die leider abgesagt hatten. Zum Schluss kamen Ikara Colt, ein Londoner Quartett, das musikalisch zwischen den Stooges und den frühen Bis rangiert, dessen Sänger allerdings optisch eine derart frappierende Ähnlichkeit mit Julian Casablancas von den Strokes hat, dass man möglicherweise zu Unrecht direkt das Wort „Hype“ auf den Lippen hatte.

Einen andächtigen Auftakt zum zweiten Abend lieferte Jacob Golden, ex-Frontmann der Band Birthday, der nur sich und seine Gitarre mitgebracht hatte. Bei minimalster Lautstärke waren seine herzzereißenden Songs, Jimmy Webb- und Toto-Zitate inclusive, derart präsent, dass der Saal komplett zum Schweigen gebracht wurde; sehr schön! Nun gleich nochmal British Sea Power: auf der zweiten, kleineren Bühne rückte die Musik etwas mehr in den Vordergrund. Die Performance war dennoch nicht weniger sehenswert, sondern unterstrich noch einmal, dass hier einfach alles wie selbstverständlich zusammengehört, egal ob der Schlagzeuger Federn im Haar hatte oder der Bassist am Ende des Sets eine Kopfstand macht. Genau so naiv, abgedreht, eruptiv und dennoch harmonisch läuft es nämlich auch musikalisch. Man wird hoffentlich noch viel von BSP hören und sehen! Freeheart zeigten danach, wie AM60 am Vortag, dass prominente Mitglieder nicht alles bei einer Band sind. Zwar waren Sänger und Gitarrist bei Jesus & Mary Chain und die Rhythmusgruppe kommt vom Gun Club, doch neben guten Musikern braucht es eben auch noch interessante Songs, die ich leider nicht gehört habe... Jetzt zu Melys: ich kannte von den Walisern nur wenige, ältere Songs und hatte daraufhin abgedrehdes à la Sugarcubes etc. erwartet doch das einzig anzatzweise Abgedrehte war die funktionierende Lautstärkepegelanzeige auf den T-Shirt der Sängerin. Melys setzen jetzt wohl 100% auf Europop und fanden das Gegröle einiger Männlicher Besucher offenbar auch noch toll. Genug Zeit, sich einen guten Platz für den folgenden Haven-Auftritt zu sichern. Ein Wenig unsicher war ich schon, ob sie denn meine hohe Erwartungen würden erfüllen können. Das Ganze wirkte zwar sehr abgeklärt, dennoch konnte man die Begeisterung auf der Bühne spüren, die auch vom Publikum geteilt wurde. Der Schlagzeuger hatte schon manchmal etwas Mühe, das stürmische, von der Gitarre angeschlagene Tempo noch im Zaum zu halten, was aber die Energie und Spielfreude der Band verdeutlichte, die ja ihr Album-Material nun schon seit einiger Zeit im UK rauf und runter spielt. Es gab ein B-Seiten-Stück und zum Abschluss die die Gitarrenwände von Let It Live. Wäre eigentlich klasse gewesen, wenn Haven letze Band des Abends gewesen wären, dann hätten sie jetzt noch die gewünschte Zugabe geben können und man hätte die zwei schönen Abende auch mit einem Knaller beenden können. So aber kamen zur besten Spielzeit noch zwei Bands hinterhergekleckert, die einen etwas faden Nachgeschmack hinterließen. Zum einen Trailer Bride, die einen halbherzigen Folk-Country-Pop boten und The Bees, die ähm...ja, eben Reggae machen. Aber man kann ja einfach schon mal Richtung Ausgang gehen...

(jk)





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