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Elvis Costello

"Psychedelic Blue Bayou"


  · den Künstler
Es gibt mindestens zwei Dinge, die man nicht oder nur in Ausnahmefällen tun sollte: Erstens: einen Pferdegespannführer "Kutscher" nennen; und Zweitens: unvorbereitet auf ein Elvis Costello Konzert gehen, "nur" um den Abend mit seiner Traumfrau zu verbringen. Okay, das mit dem Pferdegespannführer habe ich seit dem Rüffel durch den Kutsch...aehm, naja, lassen wir das. Oder auch nicht: ein Frauenhaar zieht mehr als zehn Pferde! Also bin ich mit musikalischem Halbwissen, aber mit der Aussicht auf einen sehr schönen Abend los zum E-Werk nach Köln. Um es vorwegzunehmen: das Publikum war übersichtlich, pärchenlastig und mit Sicherheit werden sich einige Englisch-LKs am nächsten Tag gewundert haben, dass sich ihr Lehrer wie ein Teenie zu Schwärmereien über einen Konzertabend hinreissen läßt. Insgesamt herrschte im locker bevölkerten E-Werk eine sehr entspannte Atmosphäre, wozu auch der Wunsch der Künstler, das Rauchen zu unterlassen, maßgeblich zugetragen hat: sehr nachahmenswert, so finde ich. Es wird dunkel, und die Bühne verwandelt sich in meinen Lieblings-Irish-Pub an einem Donnerstagabend: Ex-Squeezer Chriss Difford, Francis Dunnery und die Sängerin Dori Jackson verbreiten eine familiäre Stimmung und mir steht der Sinn nach einem Pint Cider&Black. Ein für mich völlig neues Konzerterlebnis: Es besteht kaum die Gefahr, daß ich irgendeines der Stücke kenne, also geb’ ich mich mit ungetrübter Neugier dem Geschehen hin. Schlicht, natürlich, eingängig, handgemacht, sagt mir mein Gefühl. Gefällt mir. Als dann während der Umbaupause ein Rack gespickt mit Effektgeräten nach dem anderen ´reingerollt wird, ein neidisches Raunen aus den Kehlen jedes ehemaligen Schülerbandmitgliedes durchs Publikum grummelt und um das zentrale Mikrofon eine Wagenburg aus musikalischen Hilfsmitteln aufgetürmt wird, ist mir klar, daß der ruhige part des Abends in wenigen Momenten vorbei sein wird; also nochmal kurz auf dem roten Plüschsofa unter dem Oscar-Wilde-Portrait rumgelümmelt, ein neues Bier bestellt und los geht’s! Die späten 70er brechen in Gestalt des Keyboarders und Synthesizer-Kristallstab-Beschwörers Steve Nieve über mich herein und statt des schmächtigen Buddy-Holly-Imposters (mich hätte das plakative pregig-tape stutzig werden lassen müssen..) sehe ich mich einem Elvis Costello gegenüber, der vor Energie und Bluesrock nur so strotzt. Wer sagt, dass man mit dem Verlust seiner Haare und Gewinn an Körpermitte an Stärke verliert? Unbestritten, dieser Elvis lebt! Also begab sich die Menge auf eine rasant-ruckelige psychedelic-bluesrock-Achterbahnfahrt, bei der jeder Tempiwechsel, jeder grellgrüner Akkord, jeder grotesk-guter Synth-Effekt das angestrebte angenehme Übelkeitsgefühl hervorrief. Nach gut zwei Stunden war dann Schluss, die Englischkursleiter verlassen mit rosigen Wangen und einem "weisst Du noch, frueher, schatz?" auf den Lippen meinen Lieblingspub und ich trotte hinterher: ein paar Frauenhaare auf meinem Hemd, Blue Bayou und Cowboy-songs summend, und der einsame S-Bahnsteig ist gar nicht so kalt, dunkel und einsam..."call me morbid, call me pale"

-Oli Engelbergs-

Fotos findet ihr in der Gallery!

(nata-lee)



-> Weitere Informationen unter:
www.elviscostello.com




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