koelnpop.de wird nicht mehr gepflegt.
Dies ist eine archivierte Kopie.
koelnpop.de
events | forum | gallery | releases | links |


The Bear Quartet - My War / Personality Crisis

Schwedische Gitarren


  · diese CD
  · den Künstler
  · das Album
  · den Künstler
  · den Künstler
  · dieses Album
Eine willkommene Gelegenheit auf eine extrem wichtige Band aufmerksam zu machen. Das klingt natürlich ein bisschen nach Weltstadt Oer-Erkenschwick (womit ich nichts gegen Oer-Erkenschwick gesagt haben will), denn welche "extrem wichtige" Band hat es denn schon nötig, daß man auf sie aufmerksam gemacht werden muß. Können die das nicht selber ? Nun ja, es sind Schweden (womit ich nichts gegen Schweden... etc) und nicht immer verläuft der Informationsfluß so, wie er sollte. Im Ernstfall gipfelt das dann darin, daß besagte Band, The Bear Quartet, vor fünf Leuten in Aachen (womit ich nichts gegen Aachen etc) spielt und das herzerreißend gut. Na ja. Jedenfalls ist über Indigo inzwischen das 2000er-Album von Bear Quartet erhältlich, "My War". Dies gute Stück ist etwas sperrig; Alben, die mit acht-minütigen Songs anfangen, sind nicht jedermanns Sache. Hier wird nach Lust und Laune vocodert und ge-Casiot, doch als Einstieg eignet sich "My War" vielleicht weniger. Auch wegen leicht übertriebenem Kopfstimmen-Einsatz.

Deswegen soll es hier auch eher um die Platte davor gehen, die leichter verdaulich irgendwo im Niemandsland zwischen amerikanischer Landstraßenromantik (und den dazugehörigen besseren Singer/Songwritern), britischem Shoegazertum und schwedischem Gitarrenpopverständnis rumirrt. Ein Bastard, der sich in seinen schlechtesten Momenten in New Wave-Riffs gefällt (schade um den schönen Titel "Volksblues") und ansonsten in einem herzlichen Rundumschlag alle Stühle zerstört, zwischen die man sich hätte setzen können. Statt Resignation gewinnt der gerechte Zorn überhand: "something that was rightfully ours / never came our way" - doch geht es hier wohl weniger um den Erfolg, als um das Wahre Gute Richtige: "take as many swines / capitalistic whores / with you when you decide / to fly nose first into their heads / when you can't afford to live / why shouldn't they be dead" ("Placard"). So unzeitgemäß dies im anbrechenden Zeitalter des globalen Marktes sein mag, so herzerweichend ist der Charme dieser Platte. Akustische Folkgitarren werden nur dezent mit einigen wenigen Soundeffekten auf 90er (waren das damals noch) getrimmt, denn auch hier gilt mal wieder, der Song ist die Größe, an der Gitarrenplatten gemessen werden. Liebevolle Arrangements mit Background-Chören, fast gestreichelte Rhythmen überwiegen und gerockt wird nur vereinzelt.

Wahrscheinlich ist es ab und zu kalt in Schweden, doch vielleicht beruht diese Assoziation eher auf den hier um sich greifenden Temperaturen. Immerhin hat sich der Sound des Bärenquartetts mit fort schreitendem Alter weiter von den frühere Platten dominierenden Einflüsse der britischen Krachmacher-Riege um My Bloody Valentine, frühe Ride und was sonst nach dazu gehörte entfernt, in Richtung der bereits erwähnten, an klassischere Songwriter gemahnenden Folk-Ästhetik. Die laut Stereolab ja längst überholten verzerrten Gitarren finden hier ihren Platz, fernab von Rock-Posen - als Zutaten feiner Popmusik, der man gewiß nicht entgegenhalten sollte, daß die Schnarchnasen des "Lautsprecher gefälligst immer im exakt richtigen Winkel aufstellen"-Magazins "Stereoplay" die vorhergehende Bear Quartet-Platte "Moby Dick" in irgendeinem Monat mal zum Album desselben gemacht haben. Womit ich jetzt schon was gegen Stereoplay gesagt haben will. (ms)



-> Weitere Informationen unter:
http://www.cabal.se/westside/artists/thebearquartet/index.htm




Pixies - Wave of Mutilation (Best of)
War das nicht eigentlich anders herum? Erst löst sich die Band auf und dann versucht das Plattenlabel noch Geld zu verdienen und bringt eine Best of heraus. So nicht bei den Pixies...
Claudia Kaiser - Rocken und Hosen
Ein herrliches kleines Buch über eine phantastische und große Band on Tour
indie-pop links
revolver club hamburg pop-piloten dresden popscene münchen karrera klub berlin koelnpop rhein/ruhr
1737351

Copyright (c) 2000-2006 by the koelnpop mailing list - Programming by Jens Thiel - Powered by stochastix GmbH - Ferienwohnung Norddeich (Nordsee)