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Richard Ashcroft

Weniger kann auch mehr sein


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Was es genau über Deutschland oder Richard Ashcroft besagen will, dass der Ex-Verve-Sänger eine Deutschland- (na ja, Kontinentaleuropa-, kann man fast sagen) Tour macht, bevor er zu seiner ersten UK-Tour aufbricht - das weiss vielleicht der liebe Himmel. Immerhin kommt der geneigte Konzertgänger so in den Genuß eines gewiss noch nicht tourmüden Mannes, was bei Leuten aus seiner Liga ja keineswegs immer der Fall ist.

So war denn auch das E-Werk gut gefüllt, an einem doch eher ungemütlichen September-Abend. Vor der Tür ekliger Nieselregen, innen drin die E-Werk typische übertriebene Wärme. Man sollte meinen, funktionierende Klima-Anlagen müßte man sich dort leisten können. Sollte man meinen. Geschadet hat es letztlich nicht. Ob man gleiches von Herrn Ashcrofts Versuch, seine in der Tat sehr hübsche Solo-Platte über weite Strecken möglichst stilecht auf der Bühne zu reproduzieren, sagen sollte ? Ja, das genau ist die Frage...

Die moderne Technik -und gute Absatzzahlen der eigenen Platten- macht (bzw. machen)'s möglich. Viele Musiker auf der Bühne, dazu ne ganze Ladung Effekte und Sounds vom Band. Wenn erstere dann auch noch timing-sicher zu letzteren spielen können - dann bekommt man in der Regel einen ziemlich opulenten Sound-Brei. Das mag bei Stadion-Konzerten inzwischen gang und gäbe sein, nicht immer ist es auch wünschenswert. Wenn dann zuweilen die Samples lauter sind als die Musiker, kommt gerne ein gewisses Gefühl der Absurdität auf - nicht, weil es nicht legitim wäre, moderne Mittel zur Live-Präsentation zu nutzen, sondern weil die Frage ansteht, was denn wohl den Schlagzeuger noch veranlaßt, mitzuspielen - wenn er dem Automatismus des gesampelten Beats doch eh nichts mehr entgegen setzen, nichts mehr addieren kann... Teile des Konzerts krankten leider genau daran. Es ist eben nicht immer das beste, alles das zu machen, was auch machbar ist.

Schade ist ein solcher Eindruck vor allem deswegen, weil Richard Ashcroft weiss, wie man es richtig macht. Mit dankenswerterweise wieder gekürzten Haaren und großartiger Stimme kann er ganz alleine, unterstützt nur durch die eigene Gitarre, faszinieren - sei es in dem kurzen Moment am Ende von "Lucky Man", sei es als er "The Drugs Don't Work" intoniert - oder eben bei den Zugaben. War das eigentliche Set ein etwas durchwachsene Angelegenheit, so waren die Zugaben eine Offenbarung. Erst "History", allein mit Gitarre. Dann "Song for the Lovers" - nur mit Gitarre, Trompete und Bongos. Hier erfüllte diese Stimme den Raum, hier kam der hymnische Charakter der meisten Songs von "Alone With Everybody" viel stärker zum Tragen als in den überfüllten Versionen der bis dahin gespielten Lieder. Und dann die Krönung: "Bitter Sweet Symphony". Der Effekt - absehbar, denn schließlich war die Band hier schon zu Beginn des Songs wieder auf der Bühne. Doch das schmälert den Kick nicht. Fast komplett durchgespielt, nur Stimme und Gesang - und dann - das grandiose Geigen-Sample setzt ein, der Beat, die Band. Da geht die Sonne auf, da wird die Welt umarmt - da weiss man, dass es ganz richtig sein kann, die moderne Technik zu nutzen, um Effekte zu erreichen, die ohne sie nicht möglich wären. Man bekommt eben kein Orchester, um mal eben am Ende von "Bitter Sweet Symphony" n bisschen mitzuspielen. Aber das ist auch nicht notwendig: Wenn die Band die Bühne schon verlassen hat und das Sample immer noch den Raum erfüllt, dann ist das nicht aufgesetzt, dann ist das nicht übertrieben - sondern ein euphorisierender Abschluß eines am Ende grandiosen Konzerts. Aber über die erste Hälfte müßte man wohl noch mal streiten. (ms)



-> Weitere Informationen unter:
http://www.richardashcroft.co.uk




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